Alfi´s Schlussakkord

Alfred Lerchbaumer, bekannt aus der Spieltagszeitung mit seinem unvergleichlichen Vorwörtern zu den jeweiligen Heimspielen, hat es sich nicht nehmen lassen, die Geschichte der AlpenVolleys noch einmal revue passieren zu lassen.

An dieser Stelle sei auch ihm ein herzlicher Dank für seine Emotion, seine Unterstützung und unermüdliche Arbeit, den Volleyballsport allen Menschen schmackhaft zu machen, ausgesprochen.

Danke Alfi!

DER SCHLUSSAKKORD

Trauer nein – Wehmut schon

In diesen Zeiten verschieben sich (fast) alle Strukturen unserer Gesellschaft. Vor „Corona“ war in unseren Breitengraden mehrheitlich davon die Rede ob die Konjunkturphasen kräftiger oder nur normal steigen, das Alltagsleben der Meisten widerspiegelte viel Konsum, viele Freizeit-aktivitäten und ein fast ständiges „Immer mehr – immer weiter – immer höher“. Die Triebfeder unseres Tuns und Lassen bewegte sich immer bis zum Anschlag, zwangsläufig vermehrten sich unsere Wünsche, die Ziele und der Anspruch auf ein hohes Maß an persönlicher Befriedigung.

Damit ists fürs Erste einmal vorbei. Manch’ Gewohntes wird’s wohl so nicht mehr so geben, Neues oder zumindest Verändertes wird uns zum Umdenken bzw. zu mehr faktenbezogener Realitätserkennung zwingen. Vorausgesetzt wir begreifen die Veränderung und deren Notwendigkeiten. Dies gilt auch für den Sport. Die Nachwehen von Corona werden schmerzhafter und intensiver sein als in vielen anderen Bereichen. Und aus der zuletzt schon kaum mehr erträglichen Rekordsucht auf allen Ebenen, wird’s vielmehr zu einem, teils gravierenden „Abspecken“ kommen. Sowohl was die sportlichen und vor allem die wirtschaftlichen Ressourcen betrifft. Unmittelbar zeigen sich schon die ersten Neuorientierungen.

Unsere AlpenVolleys verlassen die VBL

Erstmal auf drei (3) Jahre war das Experiment, HYPO TIROL AlpenVolleys Haching in der Deutschen Volleyballliga, angedacht und wurde entsprechend umgesetzt. Unser „Mister Volleyball“ Hannes Kronthaler hat für seine Vision von der „Faszination Volleyball im Alpenraum“ mehr als nur „Herzblut“ investiert. Der Umstieg von der österreichischen in die deutsche Liga war ein Kraftakt auf allen Ebenen. Ausgehend von einer zusätzlichen wirtschaftlichen Aufrüstung, über die organisatorischen und sportlichen Strukturerweiterungen bis hin zur neuen Trademark „AlpenVolleys“. Das Projekt wurde in seiner Neuausrichtung und Vielfalt in erster Linie vom „Hannes“ getragen, geprägt und die Zielsetzung von ihm bestimmt.

Klar kam die Lizenz von der Deutschen Volleyballliga (VBL) und klar war die Partnerschaft (Kooperation) mit dem TSV Unterhaching – Beides unabdingbar. Aber was hilft der beste Ordnungszahlen, wenn nicht ständig als Antreiber die Leidenschaft und der Wille fungieren. Diese beiden Faktoren, das verspürte man durchaus auch als neutraler Beobachter, waren in diesen nun drei vergangenen Jahren nicht immer und überall gleichmäßig gegeben. Zuerst gab’s den etwas überschäumenden, euphorischen Start, doch später zeigten sich manche kleineren und größeren Unklarheiten/Differenzen über das Wie und Wo. Und vor allem über die wirtschaftliche und somit auch sportliche Basis des Projekts.

Die beiden Spielorte – die Bayerwerk Arena in Unterhaching und die Olympiahalle in Innsbruck – litten, bedingt auch teilweise durch manche Verbandsvorgaben, unter einem Gewöhnungs-defizit. Fans/Zuschauer brauchen als Nährboden für ihre Neugierde und Teilnahmebereitschaft kontinuierliche Fixpunkte und damit „Heimat“. Ein sich immer wieder ändernder Spielort und terminlich unterschiedliche Beginnzeiten schaffen mehr Verwirrung als Bindung. Und dies kann selbst die beste sportliche Leistung nur bedingt auffangen. Selbst als in der Saison 2018/19 unsere AlpenVolleys viele Runden lang an der Tabellenspitze der VBL lagen, spiegelte dies der Fan-/Zuschauerbesuch in keinster Weise wider. Wenn die beiden Spielorte ca. 150 km voneinander entfernt sind, dann gibt es nur einen äußerst geringen Fan-Mitnahmeeffekt auf beiden Seiten. Und so erschien auch Vielen dass unsere AlpenVolleys kein richtiges Daheim hatten.

Auch die Sponsorenakquise war eine völlig unterschiedliche. Das Projekt „AlpenVolleys“ wurde fast ausschließlich von tirolerischen bzw. österreichischen Sponsoren mitfinanziert. Und es gelang in den drei Jahren kaum eine Partnerschaft oder Kooperation mit Unternehmen aus dem Bayrischen bzw. Münchner Raum zu finden und zu verfestigen.

Trotz all dieser kleineren und größeren Handicaps war die sportliche Bilanz der drei Jahre in der VBL eine durchaus sehr erfreuliche. Bereits in der ersten Saison (2017/18) wurde mit dem 5. Platz im Grunddurchgang das Playoff mühelos erreicht und in der weiteren Folge auch das Halbfinale. Da kam dann gegen den VFB Friedrichshafen das Aus, letztlich aber gab’s Platz 3 in der Endtabelle als Belohnung. Eine absolute und erfreuliche Überraschung für das Projekt AlpenVolleys.

In der zweiten Saison (2018/19) startete unsere AlpenVolleys geradezu kometenhaft und belegten letztlich, mit insgesamt 19 Siegen, den 2. Platz im Grunddurchgang. Von den Playoff-Spielen bleiben vor allem das knappe 3:1 im Viertelfinale (Entscheidungsspiel) gegen Herrsching und der klare 3:1 Heimsieg im ersten Spiel des Halbfinals gegen die Berlin Recycling Volleys nachhaltig in Erinnerung. Letztlich schieden unsere AlpenVolleys aber gegen Berlin aus und belegten wiederum den 3. Platz in der Endtabelle der VBL.

Die heurige Saison 2019/20 war eine teilweise etwas durchwachsene, vor allem der Start war holprig und erst über die Weihnachtsfeiertage und danach kamen unsere Mannschaft immer besser in Schuss. Doch kurz vor dem Ende des Grunddurchgangs kam, „Corona“ bedingt, das Ende der Saison und damit dann letztendlich das Meisterschafts-Aus in der VBL. Der letzte Tabellenstand zeigte die AlpenVolleys auf Platz 4, somit wieder das Erreichen des Playoff. Mehr war nicht mehr möglich.

Was bleibt nun in Summe vom Projekt „Faszination Volleyball im Alpenraum“ übrig?

Vor allem für alle Beteiligten letztlich unzählige, sportlich faszinierende Erlebnisse. Dazu so manch’ ortsübergreifende, neue Begegnungen und Bekanntschaften zwischen den Fans aus Tirol und den bayrischen Nachbarn. Es waren keine verlorenen Jahre, aber auch keine die eine Verlängerung zwingend notwendig gemacht hätten. Ja auf sportlicher Ebene vielleicht, doch ohne eine längerfristig ausreichende wirtschaftliche Basisabsicherung sind Wünsche zur Makulatur verdammt. Und gerade im Augenblick dieser Zeit gibt’s im Allgemeinen und besonders auch für den Volleyballsport in der nahen Zukunft große und völlig ungelöste Unbekanntheiten. Die VBL geht in eine sehr fragile, neue Saison. Mit unseren AlpenVolleys, dem TV Rottenburg und den Volleys Eltmann scheiden drei Mannschaften aus der Liga, und auch bei den anderen Teams (Vereinen) stehen noch viele Neuausrichtungen an. Daher ist der nunmehrige Schlussstrich für unsere AlpenVolleys durchaus ein logischer und nachvollziehbarer.

Bleibt für den nunmehrigen Schluss nur mehr die gebührende Dankadresse zu vermerken. Der größte und umfassendste Dank gilt Hannes Kronthaler und seiner Familie. Ohne seine Vision und seine Hartnäckigkeit, seinen steten Antrieb und seine unbändige Leidenschaft hätte es nie diese „Faszination Volleyball im Alpenraum“ mit unseren HYPO TIROL Alpen-Volleys gegeben.  Gleichzeitig haben den Hannes bei dieser „Mission“ sehr viele gute Geister und „Heinzelmännchen/-mädchen“ begleitet und unterstützt. Und auch für sie gilt unser uneingeschränkter und herzlichster Dank. Sie aufzuzählen würde mehr als eine Seite umfassen, sie sind alle auf der Homepage vermerkt und uns Allen im Verlauf dieser drei Jahre ans Herz gewachsen und damit auch mit uns verbunden. Das wird über diese drei Jahre hinaus bestehen bleiben und für ein langlebiges „Wir waren damals dabei“ sorgen.

Und Eines ist auch gewiss. Der „Hannes“ wird aus der Volleyballszene nie verschwinden. Eine „Legende“ bleibt immer gegenwärtig und wer ihn kennt, weiß, dass er immer irgendwelche „Pfeile im Köcher“ hat. Lassen wir uns daher, wann immer, von ihm überraschen. Daher gilt jetzt keine Trauer, sondern nur ein wenig Wehmut und ein aufrichtiges und herzliches

 

„Danke liebe AlpenVolleys – He – He“